HEROIC hat Jesper „Udknud“ Larsen als dedizierten VRS-Analysten verpflichtet. Larsen ist in der Szene vor allem durch seine Beiträge auf X bekannt, in denen er das komplizierte Valve-Regional-Standings-System (VRS) für Fans und Teams gleichermaßen verständlich aufschlüsselt. Mit der Personalie reagiert die dänische Organisation auf ein Problem, das in diesem Herbst praktisch jedes CS2-Team umtreibt: Wer die eigene VRS-Position nicht genau versteht, verpasst womöglich die PGL Major in Singapur – auch mit sportlich starken Ergebnissen.
Ein VRS-Analyst wertet laufend aus, wie sich Turnierergebnisse – die eigenen wie die der Konkurrenz – auf die Platzierung im Valve-Ranking auswirken, und leitet daraus Empfehlungen für die Turnierplanung ab. Denn anders als früher, als feste Regionalqualifikationen über die Major-Teilnahme entschieden, bestimmt seit dem Major in Budapest 2025 allein die VRS-Platzierung, wer an allen drei Swiss-Stage-Etappen teilnehmen darf. Für HEROIC ist Udknuds Expertise deshalb kein Luxus, sondern Handwerkszeug: Die Organisation kämpfte bereits in früheren Qualifikationsphasen wiederholt um einen Platz am Rand der Invite-Zone, zuletzt bei der Qualifikation zum IEM Cologne Major, als HEROIC gemeinsam mit Liquid und Ninjas in Pyjamas zu den Teams zählte, denen Analysten eine Major-Teilnahme vorab nicht zutrauten.
Die Valve Regional Standings berechnen für jedes Team einen Ausgangswert (Starting Rank Value) aus vier Faktoren: angebotenem und eingesammeltem Preisgeld („Bounty“), der Stärke des eigenen gegnerischen Netzwerks sowie LAN-Siegen. Dieser Wert wird anschließend durch Kopf-an-Kopf-Anpassungen (Head-to-Head Adjustments) auf den finalen Rangwert gebracht. Wichtig für die Praxis: Aktuelle Ergebnisse zählen stärker als ältere, und LAN-Resultate wiegen deutlich schwerer als Online-Siege – was erklärt, warum selbst etablierte Top-Teams in den Wochen vor einem Einladungsstichtag quer durch Europa zu kleineren LAN-Turnieren reisen, um zusätzliche Punkte zu sichern. Jedes Team wird außerdem einer von drei Regionen zugeordnet – Europa, Amerika oder Asien –, basierend auf dem Standort der Mehrheit seiner Spieler; die Regionen erhalten unterschiedlich viele Major-Slots, wobei Europa mit sechs Stage-1-, fünf Stage-2- und fünf Stage-3-Plätzen am stärksten bedacht wird.
Das System ist unter Fans und Analysten nicht unumstritten. Kritiker wie Alexey „OverDrive“ Biryukov bemängeln, dass Teams durch bloße Spielmasse in Tier-3-Turnieren Punkte anhäufen können, ohne sich gegen echte Topgegner zu beweisen. Szene-Veteran Duncan „Thorin“ Shields widersprach dieser Kritik öffentlich und bezeichnete die VRS als „deutlich besser als alle vorherigen Qualifikationssysteme in der CS-Geschichte“ – auch wenn selbst Valve einräumt, dass das System noch nicht perfekt sei und weiter angepasst werden soll.
Auch wenn HEROIC selbst keine DACH-Organisation ist, trifft die zugrunde liegende Problematik aktuell praktisch jedes Team, das um ein Major-Ticket kämpft – von FaZe, die nach ihrem Turniersieg beim Roman Imperium Cup IX auf VRS-Rang 16 sprangen, bis zu Teams wie BIG, die in der laufenden Saison bereits einmal einen Major-Slot an einen VRS-Rivalen verloren haben. Je näher der Einladungsstichtag am 2. November rückt, desto mehr Organisationen dürften dem Beispiel HEROICs folgen und eigene Analystenrollen für die Punktejagd schaffen, statt sich allein auf sportliche Ergebnisse zu verlassen.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht, wie granular die Berechnung abläuft: Team Vitality kam laut einer von Esports.net veröffentlichten Beispielrechnung an einem Stichtag im November 2025 auf einen Ausgangswert (Starting Rank Value) von 1.843,1 Punkten, der sich nach Kopf-an-Kopf-Anpassungen auf einen finalen Rangwert von 1.907,9 erhöhte. Die Werte selbst bewegen sich auf einer Skala von 400 bis 2.000 und werden aus den Durchschnittswerten aller Teams relativ zueinander skaliert – wer also absolut gesehen stark performt, aber gleichzeitig alle Konkurrenten ebenfalls zulegen, kann trotz guter eigener Ergebnisse an Boden verlieren. Genau diese Verschachtelung macht die Arbeit eines dedizierten Analysten wie Udknud wertvoll: Ohne tägliche Beobachtung der Konkurrenz lässt sich kaum vorhersagen, welche Turniere für die eigene Platzierung tatsächlich den größten Hebel bieten.
Hinzu kommt die Unterscheidung zwischen Tier-1- und Tier-2-Einladungen: Bei Tier-1-Events werden die Startplätze von oben nach unten in der VRS-Liste vergeben, während Tier-2-Turniere typischerweise erst ab Rang neun oder niedriger einladen. Für ein Team wie HEROIC, das sich im Mittelfeld der europäischen Rangliste bewegt, entscheidet diese Schwelle häufig darüber, ob überhaupt die Chance besteht, zusätzliche LAN-Punkte zu sammeln, oder ob man auf Einladungen zu schwächer besetzten Turnieren verzichten muss, die kaum ins Gewicht fallen.
Udknud ist ein dänischer VRS-Experte, der sich in der Szene vor allem durch verständliche Erklärungen des Valve-Regional-Standings-Systems auf X einen Namen gemacht hat und nun bei HEROIC als Analyst arbeitet.
Die VRS ist Valves offizielles Rankingsystem für CS2-Teams, das Preisgeld, Gegnerstärke und LAN-Ergebnisse gewichtet und seit 2025 allein über die Teilnahme an den Major-Qualifikationsstufen entscheidet.
Kritiker bemängeln, dass Teams durch viele Spiele bei schwächeren Tier-3-Turnieren Punkte sammeln können, ohne sich gegen echte Topgegner beweisen zu müssen. Befürworter wie Thorin halten das System trotzdem für eine klare Verbesserung gegenüber früheren Qualifikationsmodellen.
Der Einladungsstichtag für die PGL Major in Singapur ist der 2. November 2026.
Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2026. Quellen: HLTV.org, Esports.net.
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