Kurz zusammengefasst: Weil die Organisationen Sashi Esport und BC.Game ihre CS2-Roster kurzfristig so umgebaut haben, dass sie statt in der europäischen in der asiatischen Valve Regional Standings (VRS) geführt werden, hat Valve Anfang Oktober 2026 eine neue Regel in das VRS-Major-Regelwerk aufgenommen: Ein Roster darf keiner neuen Region mehr zugeordnet werden, wenn es in den vorangegangenen drei Monaten bereits in der VRS einer anderen Region gelistet war. Die Regel gilt rückwirkend und ausdrücklich auch für die PGL Major in Singapur. Betroffen ist damit auch BC.Game – das Team um CS-Legende Aleksandr „s1mple“ Kostyliev, dessen Chancen auf eine Major-Teilnahme dadurch akut gefährdet sind. Nikola „NiKo“ Kovač kritisierte den Regionswechsel öffentlich und forderte ein Einschreiten der Szene-Verantwortlichen, noch bevor Valve reagierte.
Die Valve Regional Standings (VRS) sind das Punktesystem, über das Valve seit der Umstellung des Major-Qualifikationssystems Teams automatisch Regionen zuordnet und darüber entscheidet, welche Organisationen sich über ihre Region für ein Major qualifizieren können. Anfang Oktober 2026 nutzte die dänische Organisation Sashi Esport eine Lücke in diesem System: Das Team verpflichtete die beiden australischen Spieler Tynan „TjP“ Purtell (zuvor bei THUNDER dOWNUNDER, die sich noch für die IEM Cologne Major 2026 qualifiziert hatten) und Jordan „Hatz“ Bajic und stellte MistR sowie Cabbi vorübergehend auf die Bank. In Kombination mit dem ohnehin im Kader stehenden Anton „Anlelele“ Huynh, der neben seiner dänischen auch eine vietnamesische Staatsbürgerschaft besitzt, ergab sich daraus ein Roster, das rechnerisch der asiatischen VRS zugeordnet werden konnte – einer deutlich schwächer besetzten Region als Europa, in der Sashi zuletzt um eine Qualifikation kämpfte. Die Organisation selbst begründete den Schritt mit den Worten, man gehe „einen anderen Weg“ auf der Suche nach einer Qualifikation für die PGL Major in Singapur.
Der VRS-Analyst Finn „Mischief“ Farrer bezifferte Sashis Chance auf eine Major-Teilnahme über die asiatische Region auf rechnerisch 13,25 Prozent – auffällig gering im Vergleich zur Konkurrenz. Denn schon zuvor hatte die Organisation BC.Game denselben Weg eingeschlagen: Das Team, das bereits zwei Spieler von The MongolZ unter Vertrag hatte, ergänzte sein Roster um den Australier Tyson „asap“ Paterson und wurde dadurch ebenfalls der Asien-Region zugerechnet – mit laut Farrer rund 83 Prozent Qualifikationschance über diesen Weg. Der Unterschied: BC.Games Weg über zwei MongolZ-Spieler wurde von der Szene überwiegend als nachvollziehbar bewertet, während Sashis kurzfristige Verpflichtung zweier Australier und die Berufung auf Anleleles zweite Staatsbürgerschaft in der Community als der eindeutig konstruiertere Fall galt.
Eine öffentliche Kontroverse entsteht in solchen Fällen meist dann, wenn etablierte Profispieler Stellung beziehen – genau das geschah hier. Nikola „NiKo“ Kovač wandte sich direkt an den offiziellen Counter-Strike-Account und schrieb sinngemäß, es sei noch nicht zu spät, etwas gegen diese Praxis zu unternehmen. Der CS-Caster und -Analyst, der unter dem Namen „Travis“ bekannt ist, bezeichnete den Vorgang als unangenehm für die Szene und sagte eine Regelanpassung für den nächsten Major-Zyklus voraus. Auch der Analyst Graham Pitt forderte öffentlich Konsequenzen in Bezug auf Regionswechsel und doppelte Staatsbürgerschaften. Mehrere Organisationen, darunter BLAST, Luminosity und ironischerweise BC.Game selbst, griffen den Vorgang in sozialen Netzwerken spöttisch auf – Luminosity witzelte etwa, die eigenen Spieler könnten per Ahnentest nach zusätzlichen Staatsbürgerschaften suchen.
Innerhalb weniger Tage reagierte Valve: Laut einer Bestätigung an HLTV wurde das VRS-Major-Regelwerk um eine neue Klausel ergänzt, wonach einem Roster keine neue Region mehr zugewiesen werden darf, wenn es in den vorangegangenen drei Kalendermonaten bereits in der VRS einer anderen Region gelistet war. Die Regel wirkt rückwirkend. Dem Journalisten Tom Lemke zufolge bezeichnete Valve intern insbesondere Anleleles doppelte Staatsbürgerschaft als den entscheidenden Auslöser für die Regelverschärfung.
Für BC.Game ist die Konsequenz besonders schwerwiegend, da das Team durch die neue Regel wörtlich genommen aus beiden Regionen fallen würde – sowohl aus der europäischen VRS, in der es zuvor geführt wurde, als auch aus der asiatischen, in die es zuletzt gewechselt war. Damit wäre auch Aleksandr „s1mple“ Kostyliev, einer der bekanntesten Spieler der CS-Geschichte, von einer Teilnahme an der PGL Major in Singapur ausgeschlossen. Laut HLTV-Analyst Milan Švejda erwägt Valve, BC.Games einmaligen Ausflug in die Asien-Region zu ignorieren und das Team stattdessen in der europäischen Wertung zu belassen, womit eine Teilnahme über die Qualifikation theoretisch realistisch bliebe. Allerdings lag BC.Game im September ohnehin nur auf Rang 30 der europäischen VRS – eine direkte Qualifikation über Europa wäre also auch ohne die neue Regel alles andere als sicher gewesen.
Für BIG, MOUZ und Sprout als die drei bekanntesten DACH-Organisationen hat der Streit keine direkten sportlichen Folgen, da alle drei fest in der europäischen VRS verankert sind und keinen Anreiz für einen Regionswechsel haben. Für deutschsprachige Fans ist der Fall trotzdem relevant, weil er zeigt, wie fragil das noch junge VRS-System ist, über das inzwischen auch der sportliche Status von BIG und MOUZ bei internationalen Turnieren mitentschieden wird. Je klarer Valve solche Schlupflöcher schließt, desto verlässlicher wird langfristig auch die Qualifikationsbasis für etablierte europäische Organisationen – ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte um Einzelfälle wie Sashi oder BC.Game oft untergeht, für die Planungssicherheit der gesamten Region aber erheblich ist.
Die VRS ist das von Valve betriebene Punktesystem, das CS2-Teams automatisch einer Region zuordnet und darüber entscheidet, über welchen regionalen Qualifikationsweg sich eine Organisation für ein Major qualifizieren kann.
Beide Organisationen erhofften sich über die schwächer besetzte asiatische VRS bessere Chancen auf eine Qualifikation für die PGL Major in Singapur, als es über die stark besetzte europäische Region der Fall gewesen wäre.
Ein Roster kann keiner neuen Region mehr zugeordnet werden, wenn es in den vorangegangenen drei Kalendermonaten bereits in der VRS einer anderen Region gelistet war. Die Regel gilt auch rückwirkend für die anstehende Major-Qualifikation.
Nicht zwingend. Valve prüft laut Berichten eine Ausnahme, die BC.Game in der europäischen Wertung belässt. Da das Team dort im September aber nur auf Rang 30 stand, bleibt eine direkte Qualifikation über Europa unwahrscheinlich.
Nein, beide Organisationen sind durchgängig in der europäischen VRS geführt und hatten nie einen sportlichen Anreiz für einen Regionswechsel.
Quellen: Insider Gaming, Insider Gaming, rdy.gg. Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2026.
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