100 Thieves hat am 26. August 2026 eine neue europäische Trainingsbasis in Belgrad eröffnet. Die US-Organisation reagiert damit auf den Bedarf, ihre CS2-Spieler näher am europäischen Turniergeschehen zu positionieren. AWPer Nicolai „device“ Reedtz führte in einem veröffentlichten Video persönlich durch die neuen Räumlichkeiten.
Für eine US-amerikanische Organisation mit europäischem CS2-Roster ist die geografische Distanz zum eigentlichen Turnierzentrum ein chronisches strukturelles Problem: Praxis-Matches, Bootcamps und die meisten LAN-Events finden in Europa statt, während Team-Infrastruktur historisch oft in Nordamerika verankert war. Mit der neuen Belgrad-Basis zieht 100 Thieves nach und schafft feste Trainingsstrukturen direkt im europäischen Zeitzonen- und Reisegürtel. Belgrad hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin zu einem der zentralen CS2-Standorte entwickelt, unter anderem durch die HLTV Awards, die zuletzt dort ausgerichtet wurden, sowie durch mehrere Organisationen und Broadcast-Produktionen, die die serbische Hauptstadt als Basis nutzen.
Die Entscheidung fällt zudem in eine Phase, in der 100 Thieves gezielt in sein CS2-Programm investiert: Erst wenige Monate zuvor hatte die Organisation mit device einen der bekanntesten AWPer der Szene verpflichtet, nachdem der Däne zuvor bei Ninjas in Pyjamas gespielt hatte. Eine feste europäische Infrastruktur ist die logische Ergänzung zu einer solchen prominenten Verpflichtung, weil sie zeigt, dass die Investition nicht nur auf dem Papier, sondern auch strukturell abgesichert ist.
Trainingszentren in unmittelbarer Nähe zu den wichtigsten Ligen und Qualifiern verkürzen Reisezeiten, reduzieren Jetlag-bedingte Formschwankungen und erlauben spontanere Scrim-Ansetzungen mit anderen europäischen Top-Teams. Gerade für ein Team wie 100 Thieves, das im internationalen CS2-Feld noch nicht zur etablierten Tier-1-Spitze zählt, kann eine verlässliche Infrastruktur den entscheidenden Unterschied machen, ob junge oder wechselwillige Spieler die Organisation als ernstzunehmende Option wahrnehmen.
Aus Sicht der Organisation ist der Schritt auch ein Signal an Sponsoren und Fans: Eine physische Präsenz in Europa unterstreicht den Anspruch, im CS2-Bereich nicht nur ein Nebenprojekt, sondern eine langfristige, ernsthafte Investition zu betreiben – ähnlich wie es zuvor bereits andere nordamerikanische Organisationen mit europäischen Dependancen vorgemacht haben.
Für deutsche, österreichische und schweizerische Fans ist die Standortwahl auch deshalb interessant, weil Belgrad geografisch deutlich näher an der DACH-Region liegt als frühere US-Basen von 100 Thieves. Das erleichtert potenzielle Bootcamps mit oder gegen DACH-Teams wie BIG, MOUZ oder Sprout und dürfte die Sichtbarkeit von 100 Thieves auf europäischen LAN-Events weiter erhöhen. Sollte sich die Organisation mittelfristig auch bei Turnieren mit deutscher Beteiligung, etwa in Köln oder anderen zentraleuropäischen Austragungsorten, häufiger blicken lassen, würde das direkte Vergleichsmöglichkeiten für die heimischen Teams schaffen.
Langfristig zeigt der Schritt außerdem, wie sich die Kräfteverhältnisse in der internationalen CS2-Landschaft verschieben: Osteuropäische und südosteuropäische Standorte wie Belgrad gewinnen als logistische Drehkreuze an Bedeutung, während traditionelle nordamerikanische Standorte für europalastige Rosters zunehmend an Relevanz verlieren.
100 Thieves ist bei weitem nicht die erste nordamerikanische Organisation, die mit einer festen europäischen Basis auf die geografische Realität des CS2-Kalenders reagiert. Bereits mehrere US-Organisationen mit europäischen Rosters betreiben seit Jahren Trainingszentren auf dem Kontinent, meist konzentriert in etablierten Esports-Hubs wie Berlin, Kopenhagen oder eben zunehmend auch Südosteuropa. Der Unterschied bei 100 Thieves liegt in der prominenten öffentlichen Inszenierung der Eröffnung samt Video-Tour durch device – ein Marketing-Baustein, der über die reine Infrastrukturmaßnahme hinausgeht und gezielt auf Sichtbarkeit in der europäischen Community abzielt.
Für die Organisation selbst ist das eine logische Konsequenz der eigenen Wachstumsstrategie: Nachdem 100 Thieves in den vergangenen Jahren primär im nordamerikanischen Markt und in Spielen wie League of Legends und Valorant sichtbar war, soll das CS2-Investment gezielt zur globalen Marke beitragen. Eine europäische Homebase mit eigenem Content ist dabei sowohl sportliches Werkzeug als auch Marketinginstrument zugleich. Für Fans, die die internationale Entwicklung des Spiels verfolgen, ist der Schritt zudem ein weiteres Indiz dafür, dass CS2 als globaler Esport zunehmend regionale Grenzen zwischen Nordamerika und Europa auflöst, statt sie zu verstärken. Weitere Organisationen dürften diesem Beispiel in den kommenden Monaten folgen, sobald sich zeigt, ob sich die zusätzlichen Trainingsressourcen tatsächlich in bessere Turnierergebnisse übersetzen lassen.
Die neue Basis liegt in Belgrad, Serbien, und wurde am 26. August 2026 eröffnet. Sie soll dem europäischen CS2-Kader von 100 Thieves als feste Trainings- und Bootcamp-Infrastruktur dienen.
AWPer Nicolai „device“ Reedtz führte in einem von 100 Thieves veröffentlichten Video persönlich durch die neuen Räumlichkeiten.
Belgrad liegt zentral in Europa, war zuletzt Austragungsort der HLTV Awards und hat sich als logistischer Knotenpunkt für Trainingslager und Broadcast-Produktionen etabliert, was kurze Reisewege zu europäischen Turnieren ermöglicht.
Device wechselte wenige Monate zuvor von Ninjas in Pyjamas zu 100 Thieves. Die neue europäische Infrastruktur unterstreicht, dass die Organisation ihre CS2-Ambitionen auch strukturell absichern will, statt nur prominent zu verpflichten.
Quelle: HLTV.org – Short news: Week 34